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« La photo c’est la chasse, la chasse des anges. Au lieu d’un mort, on fait un éternel. »

 

„Fotografieren ist eine Jagd, eine Jagd auf Engel. Anstatt zu töten, verewigen wir.“

 
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RDB bezeichnete sich selbst nicht als Dichter.

Er war ein multimedialer Chronist, dessen Zugriff auf die eigene Gegenwart immer der Versuch möglichst detailgetreuer Wiedergabe direkter und nicht durch Vermittlungsanstrengung verfälschter Sinneseindrücke war.

Katharina Agathos in POESIE EINES GÜTERZUGS

http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=908

Am 11.05. haben wir uns dem Film „Brinkmanns Zorn“ gewidmet

Es handelt sich dabei um einen „Literaturfilm“, der größtenteils auf Original-Tonaufnahmen des Künstlers basiert. Das Bild wurde dabei zum Film „erfunden“ und mit dem Ton synchronisiert.

– RDB ist ein Vertreter des Realismus bzw. Neuen Realismus. Diese Kunstrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Verfahren in der Rezeption nicht auffällig werden bzw. mit anderen Worten: Kunstwerke dieser Richtung verschleiern ihre Medialität.

– RDB empfand das Reisen als etwas Negatives. Es würde einen „Zustand der Instabilität“ mit sich bringen. Auch Tourismus ist an sich widerwärtig .Aktivität, Abenteuer, Herausforderung, Erschütterung, Bildung, Persönlichkeitsentwicklung, Individualität, Identität – all das  sind die reizvollen Effekte, die das Reisen mit sich bringen könnte. Die Kommerzialisierung des Reisens brachte jedoch folgende Ernüchterung zutage: Passivität, Sicherheitsdenken und Bequemlichkeit. Außerdem sei es „auf Reisen“ nicht möglich, geistlose Gespräche mit anderen Reisenden zu vermeiden (…). Im Alter von 35 Jahren wurde Brinkmann von einem Auto überfahren – im Ausland.

„WO ABER IST DAS LEBEN?“

RDB widmet seine ganze Kraft dieser Frage. Alle seine „Suchbewegungen“ sind experimenteller Art. RDB hat alles behauptet, alles und jeden verworfen. Keine Person, kein Kollege, kein Freund blieb verschont.

RDB suchte die „gute Gegenwart“, fand aber nur Niemandsland vor, „zerstörter Gegenwart“, woraus er ein Höchstmaß an Negationspotential generierte

Er sah sich Künstlern nah wie W. Burroughs. Eben dessen Schreibweise (Noven Express) bestätigt RDB`s Forderung: Die Muster der Funktion von Sprache (das bloße Reagieren auf Wörter) müssen aufgebrochen werden. RDB wollte den „wortlosen Zustand“ erreichen. Man müsse lernen „alleine im Schweigen zu leben“, jedes Schema aufgeben. Erklärungen seien tunlichst zu vermeiden.

RDB verweigerte Erzählungen, mochte möglichst gewöhnliche Handlungen und Oberflächen behandeln, die ausdrücklich nichts zu bedeuten hatten, und deren Gleichgültigkeit betont wurde. Dadurch brachte er sich in einem Zustand der „wachen Ohnmacht“.

RDB war der Meinung, dass wir ständig hin- und verwechseln würden: zwischen dem was da ist, und zwischen der höheren Vorstellung davon.

RDB changierte zwischen Kunst und Nicht-Kunst – das Spiel mit dem Kunstcharakter des Alltäglichen und das Inszenieren einer Situation der Betrachtung.  Die ironische Geste, das ständig mitbedachte Präsenzbegehren des Betrachters, verknüpfen das Werk mit den zentralen Strategien der modernen Kunst.

RDB war – aus meiner Sicht – ein ausgefeilter Performance-Künstler. Er ging mit dem Mikro los auf die Straße und fertigte sog. „Readytapes“ an, also situativ aufgenommene Spontanszenen.